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"Streitfall Religion"

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written on 28/08/2008 written on 28/08/2008

Völlig ahnungslos, weil das erste mal hier (postend) wollte ich eine Dokumentation, eher eine Diskussion zur Aufnahme vorschlagen (und hoffe, ich bin hier richtig). Im Mai (irgendwann) wurde im ZDF "Streitfall Religion" ausgestrahlt - http://www.zdf.de/ZDFmediathek/content/499902?inPopup=true - eine vllt sogar bereichernde Gesprächsrunde für die (ja noch nicht allzu volle) Kategorie Religion.

Sofern es denn in Ordnung ist, habe ich auch gleich meinen Eindruck mal festgehalten... so mehr oder weniger formal angepasst ^.^

ZDF-Doku / -Diskussionsrunde „Streitfall Religion“

Die im Mai ausgestrahlte Sendung „Streitfall Religion“ stellte die Frage „Welcher Gott ist zukunftsfähig?“

Unter der Leitung des Moderators Gert Scobel diskutierten die vier Gäste - Vertreter der drei großen monotheistischen Weltreligionen, d.h. ein katholischer katholischer Laie und Berater im Vatikan, eine (in der Türkei geborene) deutsche Muslima und ein jüdischer Rabbi, sowie eine Vertreterin des Atheismus – in drei Gesprächsblöcken.

Dass die eingeladenen Gäste sehr liberale Vertreter ihrer jeweiligen Weltanschauung/Religion sind, schien manchmal dazu zu führen, dass man sich auf sehr allgemeinverständliche Konsense einigte, während die Konfliktpotentiale in den Hintergrund rückten. Dass dem allerdings doch nicht ganz so war, wird im Verlauf des Gesprächs (vor allem gen Ende) deutlicher und war vor allem der doch sehr widersprüchlichen Ansichten der Vertreterinnen des Islam und des Atheismus geschuldet sowie der Ehrlichkeit des Vertreters des Vatikan, der auf die Widersprüche zwischen religiöser Lehre und Praxis hinwies („Es gibt natürlich Pathologien in der Religion, die katastrophal sind.“ „An ihren Früchten werdet ihr sie [die Religionen] erkennen.“)

Die Diskussion führte über viele verschiedene Fragen, die, je grundlegender sie werden, dann auch Dissensen zutage treten ließen. So wurde z.B. die Frage nach neuen Formen der Religiosität angesprochen, die Frage, inwiefern Religionen Wertekonsens schaffen können (Menschenwürde aus Gottebenbildlichkeit?), ob/inwiefern sie als Gegengewicht zur technisierten und rationalisierten Welt dienen, welche Bedeutung ihnen im Demokratischen Diskurs zukommt (unterschiedliche Positionen z.B. von J. Habermas und R. Dawkins, die angesprochen werden), welchen Wahrheitsanspruch Religionen haben usw.

Durchaus sehenswert finde ich.


Vllt kann ja jemand was mit anfangen, sei es nun Doku oder Eindrücke ;-)
Informationen zur Sendung gibts hier:
http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/3/0,1872,7241731,00.html
(unterstützt das forum eigentlich html?, also [url=http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/3/0,1872,7241731,00.html]hier[/url] ?

PS: Falls sich jemand (hier) noch mehr dafür interessiert, kann ich nur sehr empfehlen:
http://www.blaetter.de/artikel.php?pr=2808
und noch einige Artikel der Zeit, von denen ich gerade nur folgenden wiederfinde:
http://images.zeit.de/text/2007/07/Am_Ende_ist_das_Wort

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written on 29/08/2008 written on 29/08/2008

Hallo und Herzlich Willkommen auch von meiner Seite aus.

Hab mir gerade die Doku angesehen und war ein wenig enttäuscht, denn, wie es schon hier angesprochen worden ist, sind sich eigendlich die "Religionsvertreter" alle bis ca. 10, oder 15 Minuten vor Schluss alle einig.
Religion ist wichtig : Stützt Gesellschaft. Sorgt für besseres humanes Weltbild.
Erst später, wenn neben Fragen erste Anklagen laut werden wirds interessant.

Doch ersteinmal möchte ich dazu sagen, dass ich selbst nicht sehr religiös bin, doch aber von mir behaupten würde protestantisch zu sein.
Was mich an dieser Doku daher sehr überrascht hat, ist das ich sowohl dem Rabbi, als auch dem Katholiken in fast allen angesprochenen Punkten recht geben muss. Beide respektieren die andre Religion und setzen sich sogar mit dieser in einer Form des Verständnis auseinander.
Neben diesem sehr freidlichen , offenen Dialog finde ich die Ansicht von Frau Köhler etwas verwirrend. Zwar hört man ab und an nur ein zustimmendes Grummeln von ihrer Seite, doch wenn dann eine direkte Frage über den Islam im Raum steht wird diese weniger erläutert und dem Rest klar gemacht, als viel mehr eine der bisherigen Diskussion völlig wiedersprüchlichen Aussage gemacht.

Allerdings finde ich, das die ca. 44 Minuten nicht vollständig genutzt wurden. Wenn ich ohne ein gewisses Grundwissen über Judentum, Christentum und Islam diese Dokumentation sehe, denke ich wird es schwer sich daraus eine überhaupt eine realistische Vorstellung über die momentane Situation im Bereich Religion zu machen.
Für mich bleibt eine wichtige Frage viel zu unberührt :
Wie ist das momentane Verhältnis zwischen den Religionen ?

Dazu sagte Herr Lütz nur kurz :
Die Ringparabel Lessings ist gescheitert.

greetings

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written on 29/08/2008 written on 29/08/2008

Also falls ihr euch tiefer für den Islam interessiert ist sicher diese Vorlesungsreihe eine der besten, die man zurzeit im Netz bekommt: http://www.getdocued.net/docuInfo/dokumentation-188 (allerdings sehr wissenschaftlich)

Wenn es um den Streit zwischen Religionen geht, bin ich immer etwas skeptisch. [... ich habe gerade eine Seite Text gelöscht]. Das Thema Religion ist echt sehr sehr vielschichtig und egal von welcher Seite ich es anzugehen versuche, es klingt immer platt.

Vielleicht möchte ich einfach folgende These einwerfen: Die Religion war selten so wichtig für die Menschen, dass man sich über die Religion "einigen" musste. Wenn es Streit gab/gibt zwischen Menschen verschiedener religiöser Fasson geht es meistens nicht um Religion, sondern um Neid und Misgunst, um Geld und/oder Land.

Begründ. die meisten Menschen waren immer "Sonntagschristen", bzw. "Sonntagsmuslime" sie haben gar keinen Grund sich tiefgehend über Religion zu unterhalten - da gibt es nichts worüber man sich tiefgehend einigen muss.

Die einzigen, die wirklich doch tief im Streit sein könnten, wären die Gelehrten... wobei die meisten symphatischen religiösen Gelehrten doch eh Universalisten sind?

Worum geht es also bei dem Streit? Um jugendliche Eiferer (meistens Jungen, die ihren Geist zum Götzen machen) und um handfeste ökonomische Streitigkeiten.

Und ja, alle die sich wirklich für Religion interessieren müssten sich sowieso auf die Negative Theologie einigen können :D ^^

so jetzt ist es doch wieder platt geworden ^^

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written on 30/08/2008 written on 30/08/2008

Also ohne dir wiedersprechen zu wollen würde ich vorsichtig sein zu behaupten, dass es in Religionskriegen nie um die Religion an sich geht.
Gerade in der heutigen Zeit sehen wir, es gibt genug Leute die ihre Religion "fanatisieren". Dies sind nicht immer die Anführer einer solchen Gruppe. Aber die vielen Selbstmordattentäter machen das bestimmt nicht für Geld. Es mag sein das bei den neusten Anschlägen dieser Art auch das Nationalgefühl mitspielt, aber wohl auch die Religion , oder ??

Nur so als Einwurf.

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written on 01/09/2008 written on 01/09/2008

Ich glaube ich würde der These, die meisten Menschen seien "gelegenheitsreligiös" gewesen, auch widersprechen wollen. Dem könnte ich vielleichte heute zustimmen, mit einigen (kleinen?) Abstrichen, wenn es um die Beständigkeit von Religiosität in einem säkularen Umfeld geht, aber es gab Zeiten, in denen richtete sich das Weltbild nach religiösen Vorstellungen.

Es nun sicherlich nicht sonderlich überraschend, wenn ich das Mittelalter als Beleg herbeizitiere, aber nachhaltig zu wanken, begann die christliche Interpretations- und Gestaltungshoheit doch erst in der Aufklärung, oder? (würde ich so sehen, natürlich nur auf den "modernen" europäischen Raum bezogen) Als belege könnte man die Verschränkung von weltlicher und kirchlicher Macht anführen ("König von Gottes Gnaden"), den immensen auch weltl. Einfluss mancher Päpste, die Bildungshoheit bei Klosterschulen etc... Nicht zuletzt deswegen wurde ich z.B. auch sehr hellhörig, als der katholische etwas von Menschenwürde aus Gottebenbildlichkeit erzählt hat. - Die Bibel hat ziemlich lange Zeit dazu hergehalten, Ungleichheit zwischen den Menschen zu begründen, und Gottebenbildlichkeit hin oder her, die Kirche hatte maßgeblichen Einfluss daran, Sklaven, Lehnswesen, ständische Unterschied etc. zu manifestieren über das Mittelalter. Menschenwürde, und mit ihr Menschenrechte haben sich als Idee durchgesetzt erst in der Aufklärung. Von vielen aufklärerischen Denkern wurde dabei zwar das alte res naturalis der Scholastik übernommen (Locke, Pufendorf z.B.), durchgesetzt hat sich diese Begründungsvariante (wegen Begründungschwäche würde ich einfach sagen^^) nicht und besonders überzeugend finde ich es auch nicht, wenn sich (westl.) Religionsvertreter besondere Interpretationshoheit zuschreiben.

Mir scheint es irgendwie so, als ob Religionen in ihren Anlagen Aspekte haben, die alles andere menschenfreundlich, dialogaffin oder konstruktiv sind, weshalb ich ganz glücklich bin, dass die Kirchen in Europa weitgehend "zurückgerückt" sind... unter das Primat demokratischer Strukturen. (Nicht einmal unter das Primat der Vernunft, denn wo Vernunft religiöse Unverbindlichkeit fordert, wird sie imho selbst zum Dogma, da würde ich Leute wie Habermas zustimmen)

Dass die Vertreter in den Diskussionen von sich behaupten, sie glaubten nicht, dass sie im Besitz der höchsten Wahrheit seien, ist löblich, aber wohl kaum auf die ganze Religion zu beziehen ;-) Wahrhscheinlich kann keine der positiven Offenbarungsreligionen ihren Wahrheitsanspruch ablegen ohne sich gewissermaßen obsolet zu machen. Nur müssen (sollten) sie sich mitlerweile demokratischen Strukturen unterordnen . Und genau in solchen hat Religion auch noch eine große Bedeutung, "als solche". Wobei dieses "als solche" etwas ... verwirrend ist, weil es tatsächlich selten um Religion geht, sondern viel öfter um religiöse Interpretationen anderer Problematiken... Abtreibung, Stammzellenforschung, die gesamte Bioethik, politische Konflikte usw. usf. Es gibt sicherlich eine ganze Reihe weniger brisante Beispiele, an denen noch besser deutlich würde, dass auch Religionen einen Teil zum (demokratischen) Dialog beitragen, dass sie Sinnesantworten liefern können, die Wissenschaften vielleicht schwer fallen (die Klassiker, wie "der sinn des Lebens?" etc.) und insofern (wieder bei Habermas geklauter Begriff) "Interpretationsgemeinschaften" sind - und manchmal leider noch zur politischen Ideologie ausarten, vor allem, würde ich behaupten, da wo eben demokratische Strukturen fehlen, denen sie sich unterzuordnen haben.

Allheilmittel Demokratie gegen religiösen Fundamentalismus^^ - eine These, die sich nur schwer halten lassen dürfte, befürchte ich ;-(
Vielleicht etwas genauer und ein Zitat aus der Diskussionsrunde aufgegriffen: Die Mdm. Köhler redet irgendwo von "Wertekonsens schaffende Religionen" - was ich gefährlich und falsch finde^^ - der Moderator hingegen sagt etwas von "Religionen sind mehr auf Integration angewiesen, als sie integrative Kraft haben" (oder so). Ich würde beinah auf die Liberalismus - Kommunitarismus Debatte runterbrechen wollen: Zehren moderne rechtsstaatliche Verfassungen, von etwas, das sie selbst nicht mehr gewährleisten können? (Vorstaatliche Bedingungen von Rechtstaatlichkeit) - und würde eben nicht gemeinsame Religion oder Nationalbewusstsein als integrative Kräfte wählen, sondern den demokratischen, rechtsstaatlichen Meinungsbildungsprozess selber. Insofern wäre nicht einfach "Demokratie" das Allheilmittel gegen Fundamentalismus, sondern (aktive) Beteiligung an der öffentlichen und politischen Leben - was bei weitem nicht alle modernen Staaten für alle ihre Einwohner mehr leisten können.

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